Co2-Handel.de - Das Portal zum Emissionshandel und Klimaschutz
Seite empfehlen

Forscher: Je weniger Sommereis in der Arktis desto strengere Winter in Europa (26.01.2012)

Potsdam/Bremerhaven - Auch wenn der Winter in Deutschland bisher viel zu warm war und das Gegenteil zu belegen scheint, die Wahrscheinlichkeit für kalte, schneereiche Winter in Mitteleuropa steigt, wenn die Arktis im Sommer von wenig Meereis bedeckt ist. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Die Forscher haben einen Mechanismus entschlüsselt, wie eine schrumpfende sommerliche Meereisbedeckung die Luftdruckgebiete in der arktischen Atmosphäre verändert und darüber unser europäisches Winterwetter mitbestimmt. Diese Ergebnisse einer globalen Klimaanalyse haben sie kürzlich in einer Studie in der Fachzeitschrift Tellus A veröffentlicht.

Bild: PixelioMKJuneTaut im Sommer das arktische Meereis besonders stark ab, wie in den letzten Jahren beobachtet, kommt es zur Verstärkung zweier wesentlicher Effekte: Zum einen legt das Verschwinden der hellen Eisoberfläche den dunkleren Ozean frei, wodurch sich dieser im Sommer unter Sonneneinstrahlung stärker erwärmen kann (Eis-Albedo-Rückkopplung). Zum anderen kann das zurückgegangene Eis nicht mehr verhindern, dass im Ozean gespeicherte Wärme an die Atmosphäre abgegeben wird (Deckel-Effekt).

Durch die geringere Meereisbedeckung wird somit insbesondere im Herbst und Winter die Luft stärker als in früheren Jahren erwärmt, denn in dieser Zeit ist der Ozean wärmer als die Atmosphäre. „Diese erhöhten Temperaturen sind anhand aktueller Messdaten in den arktischen Gebieten nachweisbar“, berichtet Ralf Jaiser, Erstautor der Veröffentlichung von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts.

Durch die bodennahe Erwärmung der Luft kommt es zu aufsteigenden Bewegungen, die Atmosphäre wird instabiler. „Wir haben die komplexen nichtlinearen Prozesse analysiert, die hinter dieser Destabilisierung stecken, und gezeigt, wie sich die so veränderten Bedingungen in der Arktis auf typische Zirkulations- und Luftdruckmuster auswirken“, so Jaiser weiter.

Eines dieser Muster ist der Luftdruckgegensatz zwischen der Arktis und den mittleren Breiten: die sogenannte Arktische Oszillation mit den Azoren-Hochs und Island-Tiefs, die man aus dem Wetterbericht kennt. Ist dieser Gegensatz hoch, entsteht ein starker Westwind. Er trägt im Winter warme, feuchte atlantische Luftmassen bis tief nach Europa. Bleibt dieser aus, kann kalte arktische Luft bis nach Europa vordringen, wie in den letzten beiden Wintern.

Die vorliegenden Modellrechnungen zeigen, dass der Luftdruckgegensatz bei geringerer sommerlicher arktischer Meereisbedeckung im darauf folgenden Winter abgeschwächt wird, so dass arktische Kälte bis in die mittleren Breiten vordringen kann.

Trotz der geringen Meereisausdehnung im Sommer 2011 ist bei uns in Deutschland ein kalter, schneereicher Winter bisher ausgeblieben. Jaiser erklärt das folgendermaßen: „Natürlich spielen im komplexen Klimasystem unserer Erde viele weitere Faktoren eine Rolle, die sich teilweise gegenseitig überdecken. Unsere Modellvorstellung erklärt die Mechanismen, wie sich regionale Änderungen in der arktischen Meereisbedeckung global und über einen Zeitraum von Spätsommer bis Winter auswirken. Weitere Mechanismen hängen beispielsweise mit der Schneebedeckung Sibiriens oder tropischen Einflüssen zusammen. Die Wechselwirkungen zwischen diesen Einflussfaktoren sind dabei Gegenstand zukünftiger Forschungsarbeiten und bilden so bislang eine Unsicherheit für Prognosen.“

Weitere Mechanismen zu finden, zu analysieren und mit ihrer Hilfe in Modellen das Klimasystem „Erde“ korrekt abzubilden, ist das Ziel der Potsdamer Forscher. „Unsere Arbeiten tragen dazu bei, die bestehenden Unsicherheiten der globalen Klimamodelle zu verringern und glaubwürdigere regionale Klimaszenarien zu entwickeln – eine wichtige Grundlage, damit die Menschen sich an veränderte Bedingungen anpassen können“, ordnet Prof. Dr. Klaus Dethloff, der die Sektion Atmosphärische Zirkulation an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts leitet, die Studien ein.

Titel der Originalveröffentlichung: R. Jaiser, K. Dethloff, D. Handorf, A. Rinke, J. Cohen, Impact of sea ice cover changes on the Northern Hemisphere atmospheric winter circulation, Tellus A 2012, 64, 11595; DOI: 10.3402/tellusa.v64i0.11595 (http://www.tellusa.net/index.php/tellusa/article/view/11595)


Quelle: AWI / zü



Ihr Partner für den CO2-Fußabdruck:

Ihr Partner für den CO2 Fußabdruck: klimAktiv


23.02.2012

Schweizer Briefpost wird klimaneutral

Europa und Kanada im Clinch um den Teersand

EEX führt dritte niederländische Primärmarktauktion durch

Eine halbe Milliarde für Klima-Innovation - EU-Kommissarinnen im Climate-KIC

22.02.2012

Knapp 30 Staaten machen Front gegen EU-Klimaabgabe für Airlines

Röttgen und Rösler einig bei Solarförderkürzung

Verband: Zusagen bei Elektromobilität einlösen - niedrige Emissionshandelspreise problematisch

Bundesverwaltungsgericht rechnet mit Klagen wegen Energiewende

Höhere Strompreise wegen Netzentgelten - nicht wegen Erneuerbarer Energien

Umfrage: Stadtwerke setzen auf erneuerbare Energien

21.02.2012

Apple plant Riesen-Solarfarm für Rechenzentrum

Shrimps haben gigantischen CO2-Fußabdruck

Gespräch: Der nachhaltigere Anbieter sollte den Auftrag kriegen

20.02.2012

Probleme im deutschen Stromnetz ohne Auswirkungen auf Österreich

Experte: Warmer Januar lässt Arktis-Eis schrumpfen

Studie: Wachsende Probleme mit Elektronikschrott in Afrika

Weltweite Permafrostzonen auf Google Earth

CO2-Vermeidung durch Erneuerbare Energien

Alternativen zu Benzin und Diesel setzen sich nicht durch

18.02.2012

Gegenmaßnahmen gegen EU-Luftfahrtabgabe drohen

UNEP-Studie: Afrikas Kleinbauern spielen im Kampf gegen Dürrekatastrophen große Rolle

17.02.2012

Studie: Potentiale für Ökostrom in Deutschland

22.03.12: Energie-Kongress - Transformation des Stromsystems

Europa-Parlament gibt Kommission freie Hand bei Emissionshandel

'Road Map' für Klimaschutz in NRW- Start des Dialogprozesses

Streit um Ausbau der Windkraft auf dem Meer - Ziele zu hoch gesteckt?

Siemens baut Geschäft mit Meeresenergie aus

Deutscher Nachhaltigkeitspreis erstmals auch für Städte und Gemeinden

16.02.2012

Dem Stromnetz drohte im Februar der Zusammenbruch - Gefährdung durch Händler?

Studie: Bis zu acht Prozent mehr Beschäftigte durch Effizienzmaßnahmen

Forscher: Klimaerwärmung und Wasserknappheit sind am Mittelmeer bereits Fakt

Wattner verkauft Strom außerhalb des EEG

Das dicke finanzielle Ende der Atomenergienutzung